R&D LAB Computational Design Studie Ein fiktives Quartier, kein reales Objekt

Property Navigator

Ein 3D-Navigator für ein Wohnquartier, vollständig im Code erzeugt

47 Wohnungen an einem Hang, vollständig aus Code erzeugt. Sonnenstunden, Ausblick und Preis sind gemessen, nicht eingetragen.

  • 47Wohnungen, erzeugt aus einer Masterplan-Tabelle
  • 26Sichtstrahlen je Wohnung, gegen die reale Kubatur verfolgt
  • 0Modelldateien, Texturen und Umgebungsbilder im Projekt
  • 6Lesarten desselben Modells, von Site bis Grundriss
Das Quartier Solvik Terrasse aus der Luft: drei terrassierte Wohnblöcke, die Erschließungsstraße und der bewaldete Hang zum Wasser

Blickpunkt Masterplan, 74 Meter über dem Grundstück, 21. Juni um 17:00 Uhr. Gelände, Bäume, Gras, Ziegel und Lärche liegen nicht als Datei im Projekt, sie werden beim Laden gezeichnet.

Publikationsgrund

Wir veröffentlichen das, weil ein Vertriebswerkzeug für ein Bauvorhaben meistens aus gerenderten Bildern und einer getrennt gepflegten Preisliste besteht, die schon beim zweiten Planungsstand auseinanderlaufen. Hier hängen beide an derselben Rechnung. Für Kunden bauen wir solche Navigatoren und Konfiguratoren als eigenständige Webanwendungen, gebunden an das Datenmodell, das ohnehin gepflegt wird: Immobilie, Anlage oder Produktvariante. Das umfasst Computational Design, XR und 3D im Browser sowie die Software darum herum.

Solvik Terrasse ist ein Wohnquartier, das es nicht gibt: 47 Wohnungen in drei terrassierten Blöcken an einem bewaldeten Hang über dem Wasser. Der Navigator im Browser erzeugt dieses Quartier bei jedem Aufruf neu, aus einer Tabelle mit Blocklängen, Geschosszahlen und Wohnungsbreiten. Im Projekt liegt keine Modelldatei, keine heruntergeladene Textur und kein Umgebungsbild: Gelände, Fassaden, Ziegel, Lärche, Zink und Vegetation werden im Code gezeichnet. Interessant daran ist nicht die Grafik, sondern die Kopplung. Die Sonnenstunden jeder Wohnung werden gegen die tatsächliche Kubatur und das Höhenfeld verfolgt, der Ausblick über einen Fächer aus 26 Strahlen je Wohnung gemessen, und beide Messwerte fließen in die Bewertung und damit in den Preis zurück. Eine Wohnung, der ein Block die Sicht nimmt, ist deshalb nachrechenbar günstiger, ohne dass jemand das eingetragen hat. Ändert sich der Masterplan, ändern sich Geometrie, Grundriss, Analyse, Preisliste und Verkaufsstand zusammen.

Das ganze Instrument in einem Bild

Der Navigator mit allen Bedienfeldern: links Blickpunkte, Sonnenstudie und Schnitt, rechts die Wohnungsliste mit Preisen und die Stapelansicht, unten der Tagesregler
Blockstaffel A, B und C von oben, 15:00 Uhr am 21. Juni, eingefärbt nach Verkaufsstatus.

Die Kopfzeile trägt die sechs Lesarten desselben Modells: Site, Massing, X-ray, Section, Stack und Plan. Keine davon ist ein zweites Modell; jede zeichnet dieselben 47 Wohnungssätze anders.

Rechts steht die Wohnungsliste mit Schlafzimmerzahl, Fläche, Geschoss und Preis, darunter die Stapelansicht als farbige Zellen je Block. Die Zeile über der Liste zählt 47 von 47 Wohnungen und 35 verfügbare. Auch diese beiden Zahlen sind gezählt, nicht gepflegt.

Die Entscheidung

Warum keine dieser Zahlen in einer Liste steht

Die übliche Anordnung für ein Bauvorhaben besteht aus zwei Dingen, die nichts voneinander wissen: einer Serie gerenderter Bilder und einer Preisliste in einer Tabellendatei. Beim zweiten Planungsstand stimmt die eine nicht mehr zur anderen, und niemand merkt es, weil ein Bild nicht widerspricht. Die Entscheidung am Anfang dieses Projekts war deshalb sehr einfach: Was gerechnet werden kann, wird gerechnet, und nichts wird zweimal gepflegt.

Möglich macht das ein Kunstgriff, der nicht nach Grafik aussieht. Sonne und Ausblick laufen nicht gegen die 1.452.902 Dreiecke, die tatsächlich gezeichnet werden, sondern gegen orientierte Hüllkörper der drei Blöcke und, weiter draußen, gegen die Höhenfunktion des Geländes. Ein Strahl kostet dadurch ein paar Dutzend Rechenschritte statt einer Suche im Netz, und die vollständige Analyse aller 47 Wohnungen ist beim Start fertig, nicht nach einer Nacht auf einer Renderfarm.

Was daraus folgt, hängt zusammen. Der Quadratmeterpreis geht von 7.450 Euro aus und wird mit dem Geschoss, der Ecklage, der Dachlage, der Blockposition und dem gemessenen Ausblick multipliziert. Wohnung B1403 landet so bei 8.612 Euro je Quadratmeter, und in dieser Zahl steckt ihr zu 76 Prozent offener Horizont. Preisliste, Vergleichsblatt, Verkaufsstand und das gedruckte Datenblatt lesen anschließend dieselben Felder, weshalb sie nicht auseinanderlaufen können.

Auch alles Sichtbare entsteht auf demselben Weg. Eine Wand wird in Rechtecke um ihre Öffnungen zerlegt, deshalb entstehen Laibungen und Fensterbänke ohne Boolesche Operationen. Ziegel, Kalkputz, Lärche, Zink und Schiefer werden auf Canvas gezeichnet, ihre Normalen aus einer passenden Höhenkarte abgeleitet. Jede Scheibe trägt den Raumtyp dahinter und die Kennung ihrer Wohnung, sodass Wandton, Boden und Nachtbeleuchtung je Wohnung zusammenpassen.

Der ehrliche Preis dieser Bauweise ist der Hüllkörper selbst. Er ist eine Näherung, und eine Näherung kann falsch liegen. Im hier aufgenommenen Stand melden 18 der 47 Wohnungen an allen drei Terminen exakt null Sonnenstunden, weil ihr Messpunkt im Hüllkörper des eigenen Blocks liegt und jeder Strahl dadurch als verdeckt gilt. In einem Rendering wäre das nie aufgefallen. Sichtbar wird es nur, weil dort eine Zahl steht, die etwas behauptet.

Eine gemessene Zahl kann falsch sein. Eine eingetragene Zahl kann nur unbemerkt falsch sein.

Von der Fassade zur Kennzahl

Wie eine Wohnung zu ihrer Tageslichtzahl kommt

  1. 01 Drei Messpunkte vor die Fassade 90 Zentimeter vor der Wohnzimmerfassade, verteilt über die Breite der Wohnung und auf 35, 55 und 75 Prozent der Geschosshöhe. Nicht ein Punkt, weil eine Wohnung nicht in einem Punkt wohnt.
  2. 02 Der Tag wird abgeschritten Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in Schritten von 20 Minuten zum Äquinoktium und 25 Minuten an den beiden Sonnenwenden. Steht die Sonne unter 2,5 Grad über dem Horizont, zählt der Schritt nicht.
  3. 03 Jeder Schritt wirft drei Strahlen Ein Strahl je Messpunkt, gegen die orientierten Hüllkörper aller drei Blöcke und, weiter draußen, gegen die Höhenfunktion des Geländes. Der eigene Block zählt mit, denn eine Nordfassade beschattet sich selbst.
  4. 04 Aus Treffern werden Stunden Je Schritt wird der Anteil unverdeckter Punkte notiert, über den Tag summiert und mit der Schrittlänge multipliziert. Für Wohnung B1403 ergibt das 5,7 Stunden zum Äquinoktium.
  5. 05 Drei Termine, nicht einer Tag 79, 171 und 355 des Jahres. B1403 kommt auf 5,7, 8,9 und 2,1 Stunden. Erst die drei Werte nebeneinander sagen, ob eine Wohnung eine Sommerwohnung ist.
  6. 06 Die Zahl fließt in den Preis zurück Derselbe Durchlauf misst mit 26 Strahlen den Ausblick: offener Horizont und Wasseranteil. Beide gehen in die Bewertung ein, die Bewertung in den Quadratmeterpreis. Deshalb trägt B1403 seine 76 Prozent offenen Horizont in seinen 8.612 Euro.

Dasselbe Modell, andere Lesart

Drei Ansichten auf dieselbe Rechnung

Dieselbe Ansicht wechselt von massiven Fassaden zu farbigen Wohnungsvolumen: grün frei, gelb reserviert, rot verkauft. Der Verkaufsstand steckt nicht in einer zweiten Datei, sondern im selben Modell.

RöntgenDie Fassade wird durchsichtig, jede Wohnung wird ein farbiges Volumen über den echten Decken und Trennwänden. Die Farbe folgt der gewählten Legende: Verkaufsstatus, Quadratmeterpreis, Fläche, Ausblick, Sonnenstunden oder Block.

Anflug über das Wasser und hinauf zum Masterplan

Ohne Schnitt vom Wasser bis über die Blockstaffel, Licht auf 18:50 Uhr festgehalten. Das Gelände ist ein Höhenfeld über 344 Meter, die Wiese sind 26.700 instanzierte Grasbüschel; nichts davon ist ein Hintergrundbild.

Fünf Regler, und keine Meinung dahinter

Die Suche gewichtet fünf Größen: Sonne, Ausblick, Ruhe, Preis und Fläche. Jede Wohnung wird darin nicht absolut bewertet, sondern nach ihrem Rang unter allen 47, und harte Bedingungen wie Schlafzimmerzahl, Budget, Terrasse, Stellplatz und Verfügbarkeit schneiden die Liste vorher zu. Übrig bleibt eine Reihenfolge, die sich vollständig aus den gemessenen Feldern ergibt.

Auch die Begründung unter jedem Treffer ist erzeugt und nicht formuliert. Sie greift auf dieselben Werte zu und schreibt sie in einen Satz: Wasser in 50 Prozent des Blickfelds, oberste 15 Prozent bei der Sonne, größte Wohnung hier, Eckwohnung, Dachterrasse. Der Verkaufsstand daneben zählt aus derselben Liste 35 verfügbare, 9 reservierte und 3 verkaufte Wohnungen.

Sonne, Ausblick, Ruhe, Preis und Fläche in vier Einstellungen. Der Ring an jedem Treffer zeigt den gewichteten Wert, und die Reihenfolge der besten fünf von 35 ändert sich mit jedem Regler.

Was gerechnet ist und was erfunden

Gerechnet

  • Kubatur, Fassaden und Grundrisse aller 47 Wohnungen, aus einer Tabelle mit Blocklängen, Geschossen und Wohnungsbreiten.
  • Sonnenstunden je Wohnung an drei Terminen, gegen die eigene und die benachbarte Kubatur verfolgt.
  • Ausblick über 26 Strahlen: offener Horizont, mittlere Sichtweite und Wasseranteil im Blickfeld.
  • Stunden direkter Sonne am Boden, auf einem Raster von 1,5 Metern, beim Einschalten gerechnet.
  • Quadratmeterpreis aus Fläche, Geschoss, Ecklage, Dachlage, Blockposition und gemessenem Ausblick.
  • Last einer Aufnahme: 1.452.902 Dreiecke und 2.323 Zeichenaufrufe je Bild bei 1600 mal 900 Pixeln.

Erfunden

  • Das Quartier selbst. Es gibt kein Objekt dieses Namens, und keine Zahl stammt von einem realen Vorhaben.
  • Die Blocknamen Skogsiden, Fjordsiden und Bryggen samt ihrer Verteilung auf 15, 19 und 13 Wohnungen.
  • Der Ausgangswert von 7.450 Euro je Quadratmeter, aus dem die gesamte Preisliste folgt.
  • Der Verkaufsstand. Verkauft, reserviert und verfügbar entstehen aus einer Formel mit festem Startwert.
  • Die Lage. Die Sonnenrechnung nutzt rund 59,9 Grad Nord am Oslofjord, ein Grundstück dort gehört nicht dazu.
  • Jede Aussage über Bauordnung oder Norm. Gegen eine normative Besonnungsprüfung ist nichts davon gehalten.

Massing, Schnitt und Verkaufsstand

Vertriebsübersicht mit Kennzahlen, Absorptionskurve, Preisbändern und Status je Block
Der Verkaufsstand rechnet Entwicklungswert, Absorption und Preisbänder aus derselben Wohnungsliste: 36,9 Millionen Euro Entwicklungswert, 26 Prozent Absorption und je Block 7.772, 8.160 und 8.640 Euro je Quadratmeter im Mittel.
Massing-Ansicht vom Blickpunkt Masterplan, die drei Blockstaffeln nach Block eingefärbt
Lesart Massing, Licht auf 13:30 Uhr, eingefärbt nach Block statt nach Verkaufsstatus: A, B und C lesen sich als drei Massen. Eine der sechs Lesarten desselben Modells.
Schnittansicht: Block B ist über alle fünf Geschosse aufgeschnitten, mit Decken und Innenräumen
Lesart Schnitt, Z-Achse bei 47 Prozent. Block B liegt über alle fünf Geschosse offen, A ist dahinter angeschnitten, C steht als Stumpf im Vordergrund. Die Decken sind Geometrie, keine gezeichnete Linie.

Wo das passt

  • Bauträger, die eine Wohnungsliste und ein 3D-Modell nicht getrennt pflegen wollen.
  • Vertrieb vor Baubeginn, wo Ausblick und Besonnung die eigentliche Kaufentscheidung tragen.
  • Architektur- und Projektsteuerungsteams, die Varianten eines Masterplans mit ihren Folgen für Fläche, Belichtung und Erlös nebeneinanderlegen.
  • Jedes Produkt mit vielen Varianten, dessen Konfigurator heute aus gerenderten Bildern besteht.

Bildnachweis: Jede Aufnahme auf dieser Seite ist ein Screenshot unserer eigenen Anwendung. Quartier, Namen, Preise und Verkaufsstand sind erfunden.

“Wenn eine Zahl berechnet werden kann, berechne sie.”

Property Navigator, DECISIONS.md · Entscheidung D3 im Projektarchiv: Analyse wird abgeleitet, nicht verfasst

Publikationsgrund

Was das für Ihr Projekt heißt

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