Wissen: Agenten
KI-Agenten in der Wissensarbeit erklärt: vom Abruf zum Arbeitsschritt
Ein Agent geht über ein Wissenssystem, das Fragen beantwortet, hinaus: Er sucht selbst nach, ruft Werkzeuge auf und bereitet Arbeitsergebnisse vor. Dieser Leitfaden erklärt die Mechanik dahinter, das Model Context Protocol als Standard für Werkzeuganbindung, die Stellen, an denen ein Mensch freigeben sollte, und die Fehler, an denen Agenten in der Praxis scheitern.

Kurz beantwortet
Ein KI-Agent in der Wissensarbeit ist ein Sprachmodell, das in einer Schleife arbeitet: Es plant einen Schritt, ruft ein freigegebenes Werkzeug auf, etwa eine Dokumentensuche, liest das Ergebnis und entscheidet über den nächsten Schritt. So wird aus einer Antwort ein Arbeitsschritt. Verlässlich wird das erst mit engen Werkzeugen, begrenzten Rechten, Freigabepunkten und Protokoll.
Definition
KI-Agent: Ein KI-Agent ist ein System, in dem ein Sprachmodell eine Aufgabe in einer Schleife bearbeitet: Es plant einen Schritt, ruft dafür ein freigegebenes Werkzeug auf, liest das Ergebnis und entscheidet über den nächsten Schritt, bis das Ziel oder eine Abbruchbedingung erreicht ist. Anders als ein fester Ablauf wählt der Agent seinen Weg erst zur Laufzeit.
Im Glossar: KI-Agent, Model Context Protocol, Agentic Harness, Human in the Loop, Prompt Injection, Programmierschnittstelle, Context Engineering, Query Decomposition, Retrieval, Workflow-Automatisierung
01
Was unterscheidet einen KI-Agenten von einem Chatbot und einem festen Workflow?
Ein Chatbot beantwortet eine Nachricht und wartet. Ein fester Workflow ruft ein Sprachmodell an vorher festgelegten Stellen eines programmierten Ablaufs auf. Ein KI-Agent bekommt ein Ziel und bestimmt den Weg selbst: Er wählt Werkzeuge, liest Ergebnisse und entscheidet über den nächsten Schritt. Das macht ihn flexibler und zugleich schwerer vorhersagbar.
Anthropic unterscheidet in seinem Leitfaden zum Bau von Agenten (Anthropic, 2024) zwei Bauformen: Workflows, in denen Sprachmodelle und Werkzeuge über vorher festgelegte Codepfade orchestriert werden, und Agenten, in denen das Modell seinen Ablauf und seine Werkzeugnutzung selbst steuert. Die Empfehlung dort ist nüchtern: die einfachste Lösung suchen und Komplexität nur hinzufügen, wenn sie nötig ist. Oft genügt ein einzelner Modellaufruf mit gutem Abruf der passenden Textstellen.
Drei Bauformen im Vergleich
| Kriterium | Chat-Assistent | Workflow mit Modell | KI-Agent |
|---|---|---|---|
| Wer bestimmt den Weg | Der Mensch, Nachricht für Nachricht | Der Code, vorab festgelegt | Das Modell, zur Laufzeit |
| Werkzeuge | Keine oder wenige | An festen Stellen | Frei wählbar aus einem freigegebenen Satz |
| Vorhersagbarkeit | Hoch je Antwort | Hoch | Niedriger, gleiche Eingabe kann andere Wege nehmen |
| Prüfbarkeit | Antwort lesen | Ablauf testen wie Software | Weg und Ergebnis protokollieren und bewerten |
| Passt zu | Einzelne Fragen | Stabilen Abläufen mit einer unscharfen Stelle | Aufgaben mit wechselnden Zwischenschritten |
Wie Agenten in das größere Bild von Erfassen, Finden und Anwenden von Wissen passen, zeigt Wissensmanagement mit KI.
02
Wie funktioniert die Agentenschleife?
Die Agentenschleife wiederholt vier Schritte: Das Modell plant auf Basis von Ziel und bisherigem Verlauf den nächsten Schritt, ruft ein Werkzeug auf, erhält das Ergebnis in seinen Kontext zurück und entscheidet, ob das Ziel erreicht ist. Die Schleife endet mit einer Antwort, einer Rückfrage an einen Menschen oder einer festen Abbruchbedingung wie einer Höchstzahl an Schritten.
- 01Ziel und KontextAuftrag, Regeln, Werkzeugliste
- 02PlanenNächsten Schritt wählen
- 03Werkzeug aufrufenStrukturierter Aufruf
- 04Ergebnis lesenZurück in den Kontext
- 05EntscheidenWeiter, fragen oder abschließen
Das Grundmuster geht auf die Forschung zurück. ReAct (Yao et al., ICLR 2023) verschränkt Denkschritte und Aktionen: Die Denkschritte helfen dem Modell, einen Plan zu bilden und anzupassen, die Aktionen verbinden es mit externen Quellen. Laut Paper verringerte schon eine einfache Wikipedia-Schnittstelle Halluzinationen und Folgefehler reinen schrittweisen Denkens. Toolformer (Schick et al., arXiv 2023) zeigte, dass ein Modell lernen kann, selbst zu entscheiden, wann es welche Schnittstelle mit welchen Argumenten aufruft.
Jede Runde vergrößert den Kontext um Aufruf und Ergebnis. Nach vielen Schritten konkurrieren frühe Anweisungen mit langen Werkzeugausgaben um die Aufmerksamkeit des Modells. Deshalb gehören Abbruchbedingungen, das Kürzen oder Zusammenfassen alter Ergebnisse und eine sorgfältige Auswahl dessen, was das Modell sieht, zum Bau eines Agenten dazu. Diese Disziplin heißt Context Engineering und wird im Beitrag Context Engineering: warum es zählt vertieft.
03
Was ist ein Werkzeug für einen KI-Agenten, und wie ruft das Modell es auf?
Ein Werkzeug ist eine beschriebene Funktion mit Namen, Beschreibung und einem Eingabeschema. Das Modell sieht diese Beschreibungen und erzeugt, wenn es ein Werkzeug braucht, einen strukturierten Aufruf mit passenden Werten. Ausgeführt wird der Aufruf von der umgebenden Software, nicht vom Modell. Das Ergebnis geht als Text oder strukturierte Daten zurück in den Kontext.
{
"name": "dokumente_suchen",
"description": "Durchsucht freigegebene interne Dokumente und liefert Textstellen mit Quelle. Nur lesend.",
"inputSchema": {
"type": "object",
"properties": {
"anfrage": { "type": "string", "description": "Suchanfrage in natuerlicher Sprache" },
"bereich": { "type": "string", "enum": ["handbuch", "richtlinien", "protokolle"] },
"max_treffer": { "type": "integer", "minimum": 1, "maximum": 10 }
},
"required": ["anfrage"],
"additionalProperties": false
}
}Die Beschreibung ist Teil des Kontexts und damit Teil der Steuerung. Ein Werkzeug namens "datenbank" mit freiem Abfragefeld verleitet das Modell zu Aufrufen, die niemand vorhergesehen hat. Ein Werkzeug "dokumente_suchen" mit festem Wertebereich lässt nur zu, was gewollt ist. Die OWASP Top 10 für LLM-Anwendungen (OWASP, 2025) empfehlen genau das: eng zugeschnittene Werkzeuge statt offener Funktionen wie freier Shell-Befehle.
Auch Fehler gehören zur Schnittstelle: Die MCP-Spezifikation gibt Ausführungsfehler, etwa ein Datum im falschen Format, als Ergebnis an das Modell zurück, damit es den Aufruf korrigieren kann. Nichtssagende Fehlermeldungen erzeugen Schleifen.
04
Was ist das Model Context Protocol, und woher kommt es?
Das Model Context Protocol (MCP) ist ein offenes Protokoll, über das KI-Anwendungen Werkzeuge, Daten und Vorlagen aus externen Systemen einheitlich einbinden. Anthropic hat es am 25. November 2024 veröffentlicht und im Dezember 2025 an die Agentic AI Foundation unter dem Dach der Linux Foundation übergeben. Die Nachrichten folgen JSON-RPC 2.0 zwischen Host, Client und Server.
Anthropic stellte MCP als offenen Standard vor, der zersplitterte Einzelanbindungen zwischen KI-Anwendungen und Datenquellen durch ein einziges Protokoll ersetzen soll (Anthropic, 2024). Am 9. Dezember 2025 gab die Linux Foundation die Gründung der Agentic AI Foundation bekannt, zu deren ersten Projekten MCP als Beitrag von Anthropic gehört (Linux Foundation, 2025). Die Spezifikation erscheint in datierten Versionen und nennt das Language Server Protocol als Vorbild, das Programmiersprachen einheitlich in Entwicklungsumgebungen bringt.
| Baustein | Aufgabe |
|---|---|
| Host | Die KI-Anwendung, die Verbindungen aufbaut, etwa ein Assistent oder eine Entwicklungsumgebung |
| Client | Die Verbindungskomponente im Host, je Server eine |
| Server | Der Dienst, der Kontext und Fähigkeiten eines Systems bereitstellt |
| Ressourcen | Kontext und Daten zur Nutzung durch Mensch oder Modell |
| Prompts | Vorlagen für Nachrichten und Arbeitsabläufe |
| Werkzeuge | Funktionen, die das Modell ausführen lassen kann |
| Transporte | Standardisiert sind lokale Prozesse über Standardein- und -ausgabe (stdio) und Streamable HTTP |
| Autorisierung | Optional, für HTTP auf Basis von OAuth 2.1; bei stdio kommen Zugangsdaten aus der Umgebung |
ReAct
Verschränkung von Denkschritten und Aktionen als Muster für Agenten veröffentlicht.
Toolformer
Ein Modell lernt, selbst über Schnittstellenaufrufe zu entscheiden.
Model Context Protocol
Anthropic veröffentlicht MCP mit Spezifikation und Entwicklungsbibliotheken.
Agentic AI Foundation
Die Linux Foundation übernimmt MCP in eine herstellerneutrale Stiftung.
Heute
Sicherheit schreibt das Protokoll nicht vor, es beschreibt sie als Aufgabe der Implementierung. Laut Spezifikation stehen Werkzeuge für beliebige Codeausführung, Hosts sollen vor jedem Werkzeugaufruf die ausdrückliche Zustimmung der Nutzer einholen, und Beschreibungen des Werkzeugverhaltens gelten als nicht vertrauenswürdig, solange sie nicht von einem vertrauenswürdigen Server stammen. Ab wann sich MCP gegenüber einer direkten Schnittstelle lohnt, ordnet API, MCP oder CLI ein.
05
Was ist agentischer Abruf (Agentic RAG), und wann lohnt er sich?
Agentischer Abruf überlässt dem Modell, ob, wonach und wie oft gesucht wird. Statt einer einzigen Suche vor der Antwort formuliert der Agent Anfragen um, zerlegt zusammengesetzte Fragen, prüft, ob die gefundenen Stellen genügen, und sucht bei Bedarf nach. Das lohnt sich bei Fragen über mehrere Quellen, kostet aber zusätzliche Modellaufrufe und Antwortzeit.
Klassisches RAG sucht einmal und antwortet dann mit dem, was gefunden wurde. Scheitert die erste Suche, scheitert die Antwort. Self-RAG (Asai et al., ICLR 2024) trainierte ein Modell darauf, bei Bedarf abzurufen und die gefundenen Passagen über besondere Reflexionsmarker selbst zu bewerten, statt pauschal eine feste Zahl an Passagen einzubinden. Die Übersichtsarbeit von Singh et al. (arXiv 2025) ordnet agentischen Abruf entlang von vier Entwurfsmustern: Reflexion, Planung, Werkzeugnutzung und Zusammenarbeit mehrerer Agenten.
Klassischer und agentischer Abruf
| Kriterium | Klassisches RAG | Agentischer Abruf |
|---|---|---|
| Suchschritte | Einer, vor der Antwort | Beliebig viele, vom Modell gesteuert |
| Anfrage | Frage wird direkt gesucht | Frage wird umformuliert oder in Teilfragen zerlegt |
| Prüfung der Treffer | Keine eigene Stufe | Modell bewertet, ob die Stellen genügen |
| Modellaufrufe und Wartezeit | Gering und planbar | Höher und schwankend |
| Stärke | Einfache Fragen an einen Bestand | Fragen über mehrere Quellen und Zwischenschlüsse |
| Risiko | Verpasste Stelle bleibt unbemerkt | Suchschleifen, Abdriften vom Thema, schwerer nachzuvollziehen |
Ein Mittelweg ist oft wirksamer als volle Autonomie: feste Pipeline, ergänzt um genau eine agentische Stufe, etwa das Zerlegen einer Frage in Teilfragen. Welche Technik welches Versagen behebt, zeigt Query-Zerlegung und der Advanced-RAG-Werkzeugkasten. Wie gefundene Stellen belegt in die Antwort kommen, beschreibt Retrieval-Augmented Generation erklärt.
06
Wo gehören Freigabepunkte in einen KI-Agenten?
Freigabepunkte gehören vor jeden Schritt, der nach außen wirkt, sich nicht zurücknehmen lässt oder Rechte verändert: Nachrichten versenden, Datensätze ändern oder löschen, Bestellungen auslösen. Lesende und vorbereitende Schritte kann ein Agent selbstständig ausführen. Entscheidend ist, dass die Freigabe im Code erzwungen wird und nicht davon abhängt, ob das Modell um Erlaubnis fragt.
| Aktionsklasse | Beispiel | Freigabe |
|---|---|---|
| Lesen im eigenen Berechtigungsrahmen | Handbuch durchsuchen, Protokoll zusammenfassen | Ohne Rückfrage, protokolliert |
| Entwurf anlegen | Antwortentwurf, Zusammenstellung, Ticketentwurf | Ohne Rückfrage, Ergebnis landet zur Prüfung |
| Wirkung nach außen | Nachricht versenden, Dokument veröffentlichen | Menschliche Bestätigung vor Ausführung |
| Nicht umkehrbar | Löschen, Bestellen, Buchen | Bestätigung, zusätzlich enge fachliche Grenzen im Werkzeug |
| Rechte und Konfiguration | Zugänge vergeben, Regeln ändern | Nicht durch den Agenten |
Die MCP-Spezifikation empfiehlt für Werkzeuge, dass stets ein Mensch Aufrufe ablehnen kann, mit klarer Anzeige, welche Werkzeuge das Modell nutzen darf, sichtbaren Hinweisen bei jedem Aufruf und Bestätigungsdialogen. Die OWASP Top 10 für LLM-Anwendungen (OWASP, 2025) führen das Risiko übermäßiger Handlungsmacht (Excessive Agency) auf drei Ursachen zurück: zu viele Funktionen, zu weite Rechte und zu viel Autonomie bei folgenreichen Aktionen. Als Gegenmittel nennen sie unter anderem, Autorisierung in den nachgelagerten Systemen durchzusetzen, statt sie der Entscheidung des Modells zu überlassen.
Praktisch heißt das: Ein Agent handelt mit den Rechten der Person, für die er arbeitet, nicht mit einem Sammelzugang, der alles sieht. Wie Zugriffsrechte am Dokument bis in Suche und Antwort erhalten bleiben, beschreibt Berechtigungen in KI-Wissenssystemen.
07
Welche Fehlerbilder sind typisch für KI-Agenten?
Typische Fehlerbilder sind Schleifen, in denen der Agent dasselbe Werkzeug wiederholt aufruft, die Wahl des falschen Werkzeugs oder falscher Parameter, zu weit reichende Rechte, Anweisungen, die über gelesene Inhalte eingeschleust werden, und stille Teilerfolge. Agenten stürzen selten ab. Sie liefern plausible, aber unvollständige oder falsche Ergebnisse, die erst eine Prüfung aufdeckt.
| Fehlerbild | Wie es sich zeigt | Gegenmittel |
|---|---|---|
| Schleife | Gleiche Suche oder gleicher Aufruf in immer neuen Runden | Schrittlimit, Erkennung wiederholter Aufrufe, klare Fehlermeldungen der Werkzeuge |
| Werkzeugmissbrauch | Falsches Werkzeug, erfundene Parameter, Aufruf außerhalb des Zwecks | Wenige, eng beschriebene Werkzeuge, Schema-Prüfung jedes Aufrufs |
| Übermäßige Handlungsmacht | Agent kann mehr ändern, als die Aufgabe verlangt | Minimale Rechte je Werkzeug, Freigabe vor Wirkung nach außen |
| Eingeschleuste Anweisungen | Ein gelesenes Dokument oder eine E-Mail enthält Befehle, die der Agent befolgt | Inhalte als Daten behandeln, Rechte begrenzen, sensible Aktionen bestätigen lassen |
| Kontextüberladung | Frühe Anweisungen gehen zwischen langen Werkzeugausgaben unter | Ergebnisse kürzen, Zwischenstände zusammenfassen |
| Stiller Teilerfolg | Ergebnis sieht vollständig aus, ein Teil der Aufgabe fehlt | Abschlussprüfung gegen die Aufgabe, Stichproben, wiederholte Testläufe |
Eingeschleuste Anweisungen verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil Agenten fremde Inhalte lesen. Greshake et al. (arXiv 2023) beschrieben indirekte Prompt Injection: Angreifer platzieren Anweisungen in Daten, die ein Modell später abruft, und nutzen aus, dass LLM-integrierte Anwendungen die Grenze zwischen Daten und Anweisungen verwischen. Abwehr und Absicherung behandelt KI-Sicherheit: Prompt Injection und Datenabfluss.
08
Wie misst man, ob ein KI-Agent zuverlässig arbeitet?
Die Zuverlässigkeit eines Agenten misst man an wiederholten Läufen derselben Aufgabe, nicht an einem gelungenen Einzelfall. Bewertet werden Endergebnis und Weg: welche Werkzeuge mit welchen Werten aufgerufen wurden, wie viele Schritte nötig waren und wo der Agent abbrach. Dazu kommen Aufwand und Dauer pro erledigter Aufgabe sowie eine menschliche Stichprobe.
Der Benchmark τ-bench (Yao et al., arXiv 2024) führte dafür die Kennzahl pass^k ein: Sie misst, wie oft ein Agent dieselbe Aufgabe in allen k Wiederholungen löst. Der Unterschied zur einfachen Erfolgsquote ist für den Betrieb entscheidend. Ein Agent, der eine Aufgabe in acht von zehn Läufen löst, wirkt in der Vorführung überzeugend und liefert im Alltag trotzdem jeden fünften Vorgang falsch.
Checkliste
Bevor ein Agent in den Betrieb geht
Für das Team, das einen Agenten freigibt. Die Liste speichert nichts.
Wie Antworten auf Treue zur Quelle und Relevanz geprüft werden, vertieft der Leitfaden KI-Antworten prüfen.
09
Welche Annahmen über KI-Agenten führen in die falsche Richtung?
Mehrere Annahmen führen in die falsche Richtung: dass ein Agent grundsätzlich besser ist als ein fester Ablauf, dass ein Standardprotokoll Integrationen sicher macht, dass mehr Werkzeuge mehr Fähigkeit bedeuten, dass das Modell über Berechtigungen entscheiden kann und dass ein gelungener Lauf Zuverlässigkeit belegt. Jede davon lässt sich an Forschung oder Spezifikation überprüfen.
Verbreitete Annahmen über Agenten
Nur für passende Aufgaben.
Bei stabilen Abläufen ist ein fester Workflow günstiger, schneller und leichter zu prüfen. Anthropic empfiehlt, mit der einfachsten Lösung zu beginnen und Komplexität nur bei Bedarf hinzuzufügen.
Nein.
Das Protokoll vereinheitlicht die Verbindung. Laut Spezifikation kann es Sicherheitsprinzipien nicht selbst durchsetzen, Zustimmung, Zugriffskontrolle und Prüfung der Server bleiben Aufgabe der Implementierung.
Oft das Gegenteil.
Jede Werkzeugbeschreibung belegt Kontext, ähnliche Werkzeuge führen zu Verwechslungen, und jede zusätzliche Funktion vergrößert die Handlungsmacht, die OWASP als eigenes Risiko führt.
Falsch.
Ein Modell lässt sich durch gelesene Inhalte beeinflussen. Berechtigungen gehören in die Systeme, die ein Werkzeug aufruft, nicht in eine Anweisung an das Modell.
Nicht belegt.
Die Ergebnisse von τ-bench zeigen, wie stark die Erfolgsquote sinkt, wenn dieselbe Aufgabe wiederholt gelingen muss. Zuverlässigkeit zeigt sich erst in vielen Läufen.
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Wie führt man einen KI-Agenten in der Wissensarbeit schrittweise ein?
Ein Agent wird schrittweise eingeführt: zuerst prüfen, ob eine einfachere Lösung die Aufgabe löst, dann einen Agenten mit wenigen lesenden Werkzeugen und vollständigem Protokoll betreiben, danach vorbereitende Schritte ergänzen, deren Ergebnis ein Mensch freigibt. Schritte ohne Rückfrage kommen erst in Betracht, wenn Protokolle und wiederholte Tests zeigen, dass sie verlässlich gelingen.
Entscheidungspfad
Workflow, Agent oder Agent mit Freigabe?
Drei Fragen, die zeigen, womit ein Vorhaben beginnen sollte.
Alle Fragen und Ergebnisse als Liste
- Folgt die Aufgabe bei den meisten Vorgängen denselben Schritten in derselben Reihenfolge?
- Ja, Ergebnis: Fester Ablauf zuerst
- Nein, weiter mit: Soll das Ergebnis etwas außerhalb des Systems bewirken, etwa versenden, ändern oder bestellen?
- Soll das Ergebnis etwas außerhalb des Systems bewirken, etwa versenden, ändern oder bestellen?
- Ja, weiter mit: Kann ein Mensch das vorbereitete Ergebnis schnell prüfen, bevor es wirkt?
- Nein, nur lesen und aufbereiten, Ergebnis: Lesender Agent
- Kann ein Mensch das vorbereitete Ergebnis schnell prüfen, bevor es wirkt?
- Ja, Ergebnis: Agent mit Freigabepunkten
- Nein, Ergebnis: Aufgabe neu zuschneiden
- Ergebnis: Fester Ablauf zuerstWorüber Sie sprechen sollten: welcher einzelne Schritt tatsächlich Sprachverständnis braucht. Oft genügt ein Workflow mit genau einem Modellaufruf an dieser Stelle.
- Ergebnis: Lesender AgentWorüber Sie sprechen sollten: welche Quellen der Agent durchsuchen darf, mit wessen Rechten er arbeitet und wie seine Zwischenschritte protokolliert werden.
- Ergebnis: Agent mit FreigabepunktenWorüber Sie sprechen sollten: welche Aktionsklassen eine Bestätigung brauchen, wo die Freigabe in der vorhandenen Oberfläche sitzt und wie wiederholte Testläufe die Zuverlässigkeit belegen.
- Ergebnis: Aufgabe neu zuschneidenWorüber Sie sprechen sollten: wie sich die Aufgabe in prüfbare Teilschritte zerlegen lässt. Eine Wirkung, die niemand vorher prüfen kann, ist für einen Agenten ein schlechter Ausgangspunkt.
Welche Aufgaben sich im Unternehmen für Agenten eignen und wie Berechtigungen und Protokoll in der Umsetzung aussehen, beschreibt KI-Agenten für Unternehmen. Eine eigene agentische Pipeline aus dem R&D Lab zeigt Event Scout.
iiterate Technologies GmbH entwickelt KI-Anwendungen und Individualsoftware von der Architektur über die Umsetzung bis zum Betrieb, auf Kundeninfrastruktur oder in EU-Hosting, mit Schwerpunkten auf RAG, lokalen Sprachmodellen und der Anbindung an Bestandssysteme (Leistungen).
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Vertiefung in Signals
- Signal API, MCP oder CLI Drei Ebenen der Anbindung und ab wann sich MCP gegenüber einer direkten Schnittstelle lohnt.
- Signal Agentische Harnesses erweitern Skills, Hooks und Connectors als Hebel und als Angriffsfläche eines Agenten.
- Signal Context Engineering: warum es zählt Vier Versagensmuster im Kontext eines Agenten und die Praktiken dagegen.
- Signal Query-Zerlegung und Advanced RAG Welche Abruftechnik welches Versagen behebt und wann keine davon nötig ist.
- Signal RPA gegen KI-Agenten Wo regelbasierte Automatisierung verlässlicher ist als ein Agent.
- Signal No-Code-Agent-Builder und ihre Grenzen Was Plattformen schnell leisten und wo Governance, Evaluation und Kosten beginnen.
Umsetzung und Beispiele
- KI-Beratung KI-Agenten für Unternehmen Aufgaben, Werkzeugzugriff, Berechtigungen und Freigaben in der Umsetzung.
- KI-Beratung KI-Sicherheit Schutz vor Prompt Injection und Datenabfluss in Anwendungen mit Sprachmodellen.
- KI-Beratung Prozessautomatisierung mit n8n und KI Feste Abläufe mit gezielten Modellschritten als Alternative zum Agenten.
- R&D Lab Event Scout: agentische Pipeline Durchsucht Veranstaltungsquellen, extrahiert Termine, bewertet sie und schreibt in ein Dashboard.
Weiter im Wissen
- Wissen Wissensmanagement mit KI Der Überblick, wo Agenten im Lebenszyklus von Wissen ansetzen.
- Wissen Retrieval-Augmented Generation erklärt Die Abruf-Pipeline, auf der agentischer Abruf aufbaut.
- Wissen Berechtigungen in KI-Wissenssystemen Rechte am Dokument durch Suche und Antwort tragen.
- Glossar Model Context Protocol im Glossar Die Kurzdefinition mit Verweisen auf verwandte Begriffe.
Häufige Fragen
Braucht man MCP, um einen KI-Agenten zu bauen?
Nein. Ein Agent kann Werkzeuge auch über direkte Funktionsaufrufe einer Modellschnittstelle nutzen. MCP spielt seine Stärke aus, wenn mehrere Anwendungen oder Agenten dieselben Systeme nutzen sollen, weil ein Server dann für viele Clients genügt. Bei einer einzelnen, stabilen Integration ist die direkte Anbindung oft einfacher und verbraucht weniger Kontext.
Können KI-Agenten mit lokal betriebenen Sprachmodellen arbeiten?
Ja. Offene Modelle, die strukturierte Werkzeugaufrufe beherrschen, lassen sich auf eigener Hardware betreiben, ebenso Werkzeuge und MCP-Server. Bei langen, verzweigten Aufgaben unterscheiden sich Modelle deutlich in der Zuverlässigkeit. Wiederholte Testläufe an eigenen Aufgaben gehören deshalb vor die Modellwahl. Was lokaler Betrieb verlangt, beschreibt Lokale Sprachmodelle.
Wie viele Werkzeuge sollte ein Agent haben?
So wenige, wie die Aufgabe verlangt. Jede Werkzeugbeschreibung belegt Platz im Kontext, und ähnliche Werkzeuge erhöhen das Risiko von Verwechslungen. Bewährt hat sich, Werkzeuge nach Aufgaben zu schneiden, etwa eine Suche je Wissensbereich statt eines allgemeinen Datenbankzugriffs, und ungenutzte Werkzeuge aus dem Satz zu entfernen.
Was ist ein Multi-Agenten-System, und braucht man es?
In einem Multi-Agenten-System teilen sich mehrere spezialisierte Agenten eine Aufgabe, etwa einer recherchiert und einer prüft. Das kann komplexe Aufgaben gliedern, vervielfacht aber Modellaufrufe, Übergabestellen und mögliche Fehler. Für die meisten Aufgaben der Wissensarbeit genügt ein einzelner Agent mit gut geschnittenen Werkzeugen als Ausgangspunkt.
Wie verhindert man, dass ein Agent vertrauliche Dokumente an die falschen Personen gibt?
Indem der Agent mit den Rechten der Person arbeitet, für die er handelt, und die Suche nur Dokumente liefert, die diese Person sehen darf. Die Filterung gehört in die Such- und Datenschicht, nicht in eine Anweisung an das Modell. Wie Rechte durch die Pipeline getragen werden, erklärt der Leitfaden zu Berechtigungen in KI-Wissenssystemen.
Wie viel aufwendiger ist ein Agent als eine einfache RAG-Abfrage?
Deutlich, weil ein Agent je Aufgabe mehrere Modellaufrufe mit wachsendem Kontext ausführt. Wie viele, hängt an Aufgabe, Werkzeugen und Modell und schwankt zwischen Läufen. Aussagekräftig ist deshalb der Aufwand pro erledigter Aufgabe über viele Testläufe, gemessen in Modellaufrufen, Token und Dauer, nicht der Aufwand einer einzelnen Anfrage.
Weiterlesen
Verwandte Themen
Quellen
- 01 Model Context Protocol: Specification Model Context Protocol, 2026 · modelcontextprotocol.io
- 02 Introducing the Model Context Protocol Anthropic, 2024 · anthropic.com
- 03 Linux Foundation Announces the Formation of the Agentic AI Foundation (AAIF) Linux Foundation, 2025 · linuxfoundation.org
- 04 JSON-RPC 2.0 Specification JSON-RPC Working Group, 2013 · jsonrpc.org
- 05 Building Effective AI Agents Anthropic, 2024 · anthropic.com
- 06 ReAct: Synergizing Reasoning and Acting in Language Models arXiv (ICLR 2023), 2022 · arxiv.org
- 07 Toolformer: Language Models Can Teach Themselves to Use Tools arXiv, 2023 · arxiv.org
- 08 Self-RAG: Learning to Retrieve, Generate, and Critique through Self-Reflection arXiv (ICLR 2024), 2023 · arxiv.org
- 09 Agentic Retrieval-Augmented Generation: A Survey on Agentic RAG arXiv, 2025 · arxiv.org
- 10 LLM06:2025 Excessive Agency OWASP Gen AI Security Project, 2025 · genai.owasp.org
- 11 Not what you've signed up for: Compromising Real-World LLM-Integrated Applications with Indirect Prompt Injection arXiv, 2023 · arxiv.org
- 12 τ-bench: A Benchmark for Tool-Agent-User Interaction in Real-World Domains arXiv, 2024 · arxiv.org
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