Wissen: Retrieval

Retrieval-Augmented Generation (RAG) erklärt: Pipeline, Varianten, Grenzen

Retrieval-Augmented Generation verbindet ein Sprachmodell mit einer durchsuchbaren Sammlung eigener Dokumente. Diese Seite zerlegt die Architektur in ihre Schritte, zeigt an jedem Schritt die Stellschrauben und benennt, woran solche Systeme in der Praxis scheitern.

Ein weißer Karteischrank, drei gezogene Karten liegen in einer Reihe und führen zu einem gefalteten Antwortblatt, verbunden durch eine orange Linie mit KnotenpunktenKI-GENERIERT
AKTUALISIERT
12. September 2026
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16 Min.

Kurz beantwortet

RAG ist ein Architekturmuster: Zu jeder Frage sucht ein System zuerst passende Abschnitte in einer festgelegten Dokumentensammlung und übergibt sie einem Sprachmodell, das nur auf dieser Grundlage antwortet und die Fundstellen nennt. Die Antwortqualität hängt dabei stärker an Zerlegung, Suche und Neuordnung der Treffer als an der Größe des Modells.

Definition

Retrieval-Augmented Generation: Retrieval-Augmented Generation (RAG) ist ein Architekturmuster, bei dem ein System zu jeder Anfrage zuerst passende Abschnitte aus einer festgelegten Dokumentensammlung sucht und sie einem Sprachmodell als Kontext übergibt. Das Modell formuliert die Antwort auf dieser Grundlage und verweist auf die Fundstellen. Das Wissen liegt im austauschbaren Index, nicht in den Gewichten des Modells.

Im Glossar: Retrieval-Augmented Generation, Retrieval, Chunking, Embedding, Vektordatenbank, Hybride Suche, Reranking, Halluzination, Kontextfenster, Query Decomposition, Wissensgraph, Visuelle Dokumentensuche

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Was ist Retrieval-Augmented Generation, und woher kommt der Begriff?

Retrieval-Augmented Generation bezeichnet Systeme, die vor dem Formulieren einer Antwort passende Textstellen aus einem Index abrufen. Der Begriff geht auf Lewis et al. (NeurIPS, 2020) zurück. Heute steht er allgemein für jede Architektur, in der Suche und Sprachmodell getrennte, einzeln prüfbare Bausteine sind.

Ein großes Sprachmodell (LLM) erzeugt Text, indem es die wahrscheinlichste Fortsetzung berechnet. Was es über die Welt weiß, steckt in seinen Gewichten, eingefroren zum Zeitpunkt des Trainings. Über Ihre Handbücher, Verträge oder Tickets weiß es nichts, und es kann nicht angeben, woher eine Aussage stammt. Retrieval-Augmented Generation, auf Deutsch etwa abrufgestützte Generierung, trennt deshalb zwei Aufgaben: Ein Suchschritt (Retrieval) findet Belegstellen, erst danach formuliert das Modell.

Das Paper von Lewis et al. (NeurIPS, 2020) koppelte ein Generierungsmodell mit einem dichten Vektorindex und trainierte beide gemeinsam. In der Praxis bleiben Suche und Modell heute meist getrennte Komponenten, verbunden über den Prompt und damit einzeln austauschbar und messbar. Einen Einstieg bietet Was ist RAG?, die Einordnung ins Ganze Wissensmanagement mit KI.

Meilensteine, auf denen heutige RAG-Systeme aufbauen
  1. HNSW-Graphen

    Graphverfahren für schnelle, näherungsweise Nachbarsuche in Vektorindizes (Malkov und Yashunin).

  2. Reranking mit BERT

    Ein vortrainiertes Sprachmodell ordnet Suchtreffer deutlich besser neu (Nogueira und Cho).

  3. RAG-Paper

    Lewis et al. geben dem Muster seinen Namen.

  4. Übersichtsarbeit

    Einteilung in naive, fortgeschrittene und modulare Systeme (Gao et al.).

  5. Visueller Abruf

    Dokumentseiten werden als Bild eingebettet (Faysse et al.).

  6. Kontextanreicherung

    Abschnitte werden vor dem Einbetten mit Dokumentkontext ergänzt (Anthropic).

  7. Heute

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Welches Problem löst RAG, das ein Sprachmodell allein nicht löst?

Ein Sprachmodell allein kennt keine internen Dokumente, veraltet mit seinem Trainingsstand und kann Aussagen nicht belegen. RAG liefert zur Laufzeit aktuelle Belegstellen, macht jede Antwort auf ihre Quelle rückführbar und erlaubt, Zugriffsrechte am Index durchzusetzen. Neues Wissen erfordert nur einen Einlesevorgang, kein erneutes Training.

Gegen RAG werden meist drei Alternativen abgewogen: das Modell ohne eigene Daten, ein sehr langes Kontextfenster und Fine-Tuning, das Nachtrainieren auf eigenen Beispielen. Die Entscheidung gegen Fine-Tuning vertieft RAG oder Fine-Tuning.

Vier Wege, ein Sprachmodell mit Unternehmenswissen zu verbinden

KriteriumModell alleinLanges KontextfensterFine-TuningRAG
AktualitätStand des TrainingsSo aktuell wie die mitgegebenen DateienStand des letzten TrainingslaufsStand des letzten Einlesens
BelegbarkeitKeine HerkunftHerkunft möglich, aber im Volltext verstecktKeine HerkunftFundstelle pro Aussage
ZugriffsrechteNicht abbildbarNur durch Auswahl der DateienNicht abbildbar, Wissen steckt in den GewichtenFilter am Index zum Abfragezeitpunkt
Aufwand je AnfrageGeringHoch, wächst mit der TextmengeGeringMittel: Suche plus kurzer Kontext
Typische SchwächeErfundene DetailsInformationen in der Mitte werden übersehenWissen veraltet, Training wiederholt sichFindet der Abruf nichts, fehlt die Grundlage

Der Eintrag zu langen Kontexten beruht auf Lost in the Middle (Liu et al., 2023): Informationen in der Mitte langer Eingaben werden deutlich schlechter genutzt als am Anfang oder Ende.

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Wie funktioniert eine RAG-Pipeline Schritt für Schritt?

Eine RAG-Pipeline hat zwei Phasen. Zur Indexzeit werden Dokumente aufgenommen, in Abschnitte zerlegt, als Vektoren eingebettet und in einen Index geschrieben. Zur Anfragezeit wird die Frage ebenso eingebettet, passende Abschnitte werden abgerufen, neu geordnet und mit der Frage an das Modell übergeben, das antwortet und die Quellen nennt.

Die sieben Stufen einer RAG-Pipeline
  1. 01AufnahmeText, Struktur, Metadaten, Rechte
  2. 02ZerlegungChunking
  3. 03EinbettungEmbedding je Abschnitt
  4. 04IndexVektor- und Stichwortindex
  5. 05AbrufRetrieval zur Frage
  6. 06NeuordnungReranking der Kandidaten
  7. 07AntwortGenerierung mit Quellenangabe

Die ersten vier Stufen laufen bei Änderungen am Bestand, die letzten drei bei jeder Frage. Fehler der Indexzeit, etwa eine zerrissene Tabelle, lassen sich zur Anfragezeit nicht mehr reparieren.

Was bei der Aufnahme passiert

  1. Text und Struktur lesen

    Text mit Überschriften, Listen und Tabellen extrahieren. Scans brauchen Texterkennung oder visuellen Abruf, siehe Dokumente mit KI verstehen.

  2. Metadaten mitführen

    Titel, Quelle, Version und Gültigkeit an jeden Abschnitt vererben, sonst lässt sich weder filtern noch sauber zitieren.

  3. Berechtigungen übernehmen

    Leserechte aus dem Quellsystem am Abschnitt speichern, siehe Berechtigungen in KI-Wissenssystemen.

  4. Änderungen erkennen

    Neue, geänderte und gelöschte Dokumente nachziehen, damit keine überholte Fassung zitiert wird.

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Wie zerlegt man Dokumente für RAG richtig (Chunking)?

Gute Zerlegung folgt der Struktur des Dokuments: Abschnitte an Überschriften, Absätzen und Tabellengrenzen, groß genug für einen vollständigen Gedanken, klein genug für einen präzisen Treffer. Feste Zeichenlängen sind der einfachste Start, zerreißen aber Tabellen und Aufzählungen. Kontextanreicherung und Eltern-Kind-Abschnitte helfen, wenn einzelne Abschnitte ohne Umfeld unverständlich sind.

Chunking entscheidet, welche Einheiten gefunden werden können. Zu kleine Abschnitte verlieren den Zusammenhang: Die Frist beträgt vier Wochen ist ohne Überschrift wertlos. Zu große verwässern den Vektor und füllen den Prompt mit Text, der die Frage nicht betrifft.

StrategiePrinzipStärkeSchwäche
Feste Länge mit ÜberlappungSchnitt alle n Token, benachbarte Abschnitte teilen einen RandEinfach, gleichmäßige GrößenSchneidet mitten durch Sätze, Tabellen und Listen
Satz- oder absatzbasiertSchnitt an Satz- oder Absatzgrenzen bis zu einer HöchstlängeGedanken bleiben ganzAbsätze sind sehr unterschiedlich lang
StrukturbasiertSchnitt an Überschriften, Tabellen, Listenblöcken; Überschriftenpfad wird mitgeführtBewahrt Kontext und FundstelleBraucht saubere Struktur beim Einlesen
SemantischSchnitt dort, wo sich die Bedeutung benachbarter Sätze deutlich ändertThemenwechsel werden erkanntZusätzlicher Rechenschritt, schwer nachvollziehbar
Eltern-KindKleine Abschnitte für die Suche, der übergeordnete größere Abschnitt für das ModellPräziser Treffer, vollständiger KontextMehr Speicher und Logik im Index
Späte Zerlegung (Late Chunking)Ganzes Dokument wird mit einem Langkontext-Modell eingebettet, erst danach in Abschnitte geteilt (Günther et al., 2024)Abschnittsvektoren tragen DokumentkontextNur mit geeigneten Einbettungsmodellen
KontextanreicherungJeder Abschnitt erhält vor dem Einbetten einen kurzen erklärenden Satz zum Dokument (Anthropic, 2024)Isolierte Abschnitte werden auffindbarEin Modellaufruf je Abschnitt beim Einlesen
Chunking-Strategien im Vergleich

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Was passiert bei Einbettung und Indexierung?

Ein Einbettungsmodell übersetzt jeden Abschnitt in einen Zahlenvektor, dessen Nähe zu anderen Vektoren inhaltliche Ähnlichkeit abbildet. Diese Vektoren liegen in einem Index, der nächste Nachbarn näherungsweise schnell findet. Parallel empfiehlt sich ein klassischer Stichwortindex, weil Vektoren exakte Bezeichnungen wie Artikelnummern schlecht treffen.

Ein Embedding ist nur mit Vektoren desselben Modells vergleichbar. Frage und Abschnitte müssen deshalb mit demselben Modell eingebettet werden. Gespeichert werden die Vektoren in einer Vektordatenbank oder einer Datenbankerweiterung, die meist mit Näherungsverfahren wie HNSW-Graphen (Malkov und Yashunin, 2016) arbeitet: Sie finden sehr wahrscheinlich, aber nicht zwingend exakt die nächsten Nachbarn.

Vektor- und Volltextsuche, deutsche Besonderheiten und Relevanzmessung vertieft Semantische Suche im Unternehmen.

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Warum reicht reine Vektorsuche für RAG meist nicht aus?

Vektorsuche findet Bedeutung, verfehlt aber exakte Begriffe wie Normbezeichnungen, Artikelnummern und Eigennamen. Hybride Suche kombiniert sie deshalb mit einer Stichwortsuche nach BM25 und verschmilzt beide Ranglisten. Ein nachgeschaltetes Reranking bewertet die besten Kandidaten genauer, sodass weniger irrelevanter Text im Prompt landet und das Modell präziser antwortet.

Karpukhin et al. (EMNLP, 2020) maßen für dichte Vektorsuche eine um 9 bis 19 Prozentpunkte höhere Top-20-Trefferquote als ein starkes BM25-System. Das gilt für die dort genutzten Daten. Bei Kürzeln, Typenbezeichnungen und seltenen Fachbegriffen ist die Stichwortsuche oft gleichwertig oder besser.

Die hybride Suche führt beide Verfahren parallel aus und verschmilzt die Ranglisten, meist per Reciprocal Rank Fusion (Cormack et al., SIGIR 2009). Danach bewertet ein Reranking-Modell Frage und Kandidat gemeinsam, genauer als zwei getrennt berechnete Vektoren.

67 %weniger Fehlabrufe unter den Top 20 durch Kontextanreicherung, hybride Suche und Reranking zusammenAnthropic, 2024
9 bis 19 Pkt.höhere Top-20-Trefferquote dichter Suche gegenüber BM25 im UrsprungstestKarpukhin et al., EMNLP 2020
27 %relative Verbesserung von MRR@10 durch Reranking mit BERT auf MS MARCONogueira und Cho, 2019

Die 67 Prozent stammen aus Anthropics Messung zu Contextual Retrieval (2024): Der Anteil relevanter Abschnitte außerhalb der Top 20 sank von 5,7 auf 1,9 Prozent. Übertragbar ist die Größenordnung, nicht der genaue Wert.

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Wie antwortet das Modell nur aus den Quellen und zitiert sie?

Das Modell erhält die abgerufenen Abschnitte nummeriert und mit Herkunft, dazu die Anweisung, nur daraus zu antworten, jede Aussage mit der Nummer zu belegen und offen zu sagen, wenn die Abschnitte keine Antwort enthalten. Das System prüft anschließend, ob die zitierten Nummern existieren, und verlinkt die Fundstellen.

Drei Entscheidungen prägen die Generierung. Die Menge: Wenige gut geordnete Abschnitte schlagen viele mittelmäßige. Die Reihenfolge: Nach Liu et al. (2023) gehören die stärksten Treffer an den Anfang, nicht in die Mitte. Die Belegpflicht: Eine Aussage ohne Nummer gilt im System als Fehler.

text
Beantworte die Frage ausschließlich mit den folgenden Auszügen.
Belege jede Aussage mit der Nummer des Auszugs in eckigen Klammern, etwa [2].
Enthalten die Auszüge keine Antwort, sage das und nenne, welche Information fehlt.

[1] Quelle: Wartungshandbuch, Abschnitt 4.2, Fassung 2026-03
<Text des Auszugs>

[2] Quelle: Arbeitsanweisung Prüfstand, Abschnitt 1
<Text des Auszugs>

Frage: <Frage der Nutzerin oder des Nutzers>
Vereinfachtes Muster eines RAG-Prompts mit Belegpflicht

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Woran scheitern RAG-Systeme in der Praxis?

RAG-Systeme scheitern meist an wenigen wiederkehrenden Stellen: Der richtige Abschnitt wird nicht gefunden, er wird gefunden, aber nicht genutzt, veraltete Fassungen konkurrieren mit gültigen, Fragen verbinden mehrere Quellen, oder Rechte werden falsch abgebildet. Jedes Fehlerbild hat einen eigenen Prüfschritt, und die meisten Ursachen liegen vor dem Sprachmodell.

Was Sie beobachtenWahrscheinliche UrsacheErster Prüfschritt
Antwort sagt, es gebe keine Information, obwohl sie im Bestand stehtAbruf verfehlt den Abschnitt: Zerlegung, Einbettung oder fehlende StichwortsucheAbgerufene Abschnitte zur Frage anzeigen lassen und prüfen, ob der richtige darunter ist
Richtiger Abschnitt wurde abgerufen, Antwort ist trotzdem falschZu viel Kontext, ungünstige Reihenfolge oder unklare AnweisungAnzahl der Abschnitte senken, stärkste Treffer an den Anfang, Belegpflicht prüfen
Antwort zitiert eine überholte FassungAlte Dokumente im Index, fehlende Versions- oder GültigkeitsmetadatenDubletten und Fassungen im Bestand suchen, Filter nach Gültigkeit einführen
Fragen über zwei Dokumente scheiternEin Abrufschritt findet nur eine Seite des ZusammenhangsFrage in Teilfragen zerlegen und getrennt abrufen
Überblicksfragen wie die wichtigsten Themen im Bestand bleiben dünnDas ist Zusammenfassung über alles, kein Abruf einzelner StellenGraphansatz oder vorab erzeugte Zusammenfassungen prüfen
Nutzer sehen Inhalte, die sie nicht sehen dürftenRechte werden nachträglich oder gar nicht gefiltertFilterung zum Abfragezeitpunkt im Index testen, mit Konten verschiedener Rollen
Fehlerbilder, wahrscheinliche Ursachen und der erste Prüfschritt

Verbreitete Annahmen über RAG

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Welche RAG-Varianten gibt es, und wann braucht man sie?

Gao et al. (2023) unterscheiden naive, fortgeschrittene und modulare RAG-Systeme. Daneben gibt es Varianten für bestimmte Fehlerbilder: Anfragezerlegung für Fragen über mehrere Quellen, Graphansätze für Zusammenhänge und Überblicksfragen, agentischer Abruf für mehrstufige Recherchen und visueller Abruf für layoutreiche Dokumente. Jede Variante kostet zusätzliche Rechenschritte und sollte ein gemessenes Problem lösen.

Naives RAG ist die einfache Kette aus Index, Abruf und Generierung, fortgeschrittenes RAG ergänzt Schritte wie Umschreiben der Anfrage und Reranking, modulares RAG verschaltet austauschbare Bausteine je nach Anfrage. Praktisch zählt, welches beobachtete Versagen eine Erweiterung behebt.

Entscheidungspfad

Welche Erweiterung prüfen Sie zuerst?

Voraussetzung ist ein kleiner Satz echter Testfragen mit bekannten Fundstellen.

    Alle Fragen und Ergebnisse als Liste
    • Steht der richtige Abschnitt bei Ihren Testfragen meist unter den ersten zehn Treffern?
      • Ja, weiter mit: Welche Fragen scheitern trotzdem?
      • Nein, weiter mit: Sind die betroffenen Dokumente gescannt oder stark von Tabellen und Formularen geprägt?
    • Welche Fragen scheitern trotzdem?
      • Fragen, die zwei oder mehr Dokumente verbinden, Ergebnis: Anfragezerlegung prüfen
      • Überblicksfragen über den ganzen Bestand, Ergebnis: Graphansatz oder Zusammenfassungen prüfen
      • Einzelfragen, deren Antwort falsch formuliert ist, Ergebnis: Generierung und Kontext prüfen
    • Sind die betroffenen Dokumente gescannt oder stark von Tabellen und Formularen geprägt?
      • Ja, Ergebnis: Aufnahme und visuellen Abruf prüfen
      • Nein, weiter mit: Enthalten die gescheiterten Fragen exakte Kennungen wie Nummern, Normen oder Eigennamen?
    • Enthalten die gescheiterten Fragen exakte Kennungen wie Nummern, Normen oder Eigennamen?
      • Ja, Ergebnis: Hybride Suche prüfen
      • Nein, Ergebnis: Zerlegung und Einbettung prüfen
    • Ergebnis: Anfragezerlegung prüfenWorüber Sie sprechen sollten: welcher Anteil der Fragen wirklich mehrere Quellen braucht, und ob eine Weiche nur diese Fragen zerlegt, damit einfache Fragen nicht langsamer werden.
    • Ergebnis: Graphansatz oder Zusammenfassungen prüfenWorüber Sie sprechen sollten: ob Überblicksfragen häufig genug sind, um einen Graphen und seine Pflege zu rechtfertigen, oder ob vorab erzeugte Zusammenfassungen je Themenbereich genügen.
    • Ergebnis: Generierung und Kontext prüfenWorüber Sie sprechen sollten: Anzahl und Reihenfolge der Abschnitte, Belegpflicht im Prompt und eine Messung der Treue zur Quelle, bevor ein anderes Modell getestet wird.
    • Ergebnis: Aufnahme und visuellen Abruf prüfenWorüber Sie sprechen sollten: ob die Texterkennung Tabellen und Spalten erhält, und ob ein visueller Abruf für diese Dokumentklasse im Test mehr richtige Fundstellen liefert.
    • Ergebnis: Hybride Suche prüfenWorüber Sie sprechen sollten: ob eine Stichwortsuche parallel läuft, wie beide Ranglisten verschmolzen werden und ob Kennungen beim Einlesen sauber erhalten bleiben.
    • Ergebnis: Zerlegung und Einbettung prüfenWorüber Sie sprechen sollten: ob Abschnitte für sich verständlich sind, ob Überschriften mitgeführt werden und ob Kontextanreicherung oder ein anderes Einbettungsmodell im Testsatz mehr Treffer bringt.

    10

    Wann ist RAG die richtige Wahl, und wann nicht?

    RAG passt, wenn Antworten in schriftlichen Dokumenten stehen, sich diese ändern, Belege gebraucht werden und Zugriffsrechte gelten. Es passt schlecht für exakte Berechnungen aus Datenbanken, für Wissen, das nirgends aufgeschrieben ist, und für widersprüchliche Bestände ohne Zuständigkeit. Dann helfen eine Datenbankabfrage, eine Wissenserhebung oder zuerst die Pflege des Bestands.

    Checkliste

    Voraussetzungen für ein RAG-Vorhaben

    0 von7

    Je mehr Punkte zutreffen, desto eher trägt ein erster Prototyp an echten Daten.

    Steckt das Wissen nur in Köpfen, beginnt die Arbeit vor dem Index: Wissen sichern, bevor es in Rente geht. Für den Betrieb im eigenen Netz: Lokale Sprachmodelle. Selbsttest: RAG-Readiness-Check, Umsetzung: RAG-Implementierung.

    Auf iiterate.de vertiefen

    Häufige Fragen

    Braucht ein RAG-System zwingend eine Vektordatenbank?

    Nein. Für kleine Bestände genügt eine Datenbankerweiterung oder sogar eine reine Stichwortsuche mit gutem Reranking. Eine eigene Vektordatenbank lohnt sich, wenn der Bestand groß ist, viele Filter nach Metadaten und Rechten nötig sind oder mehrere Vektoren pro Seite gespeichert werden sollen. Entscheidend ist nicht das Produkt, sondern ob der Abruf im Testsatz die richtigen Fundstellen liefert.

    Wie viele Abschnitte sollte man dem Modell pro Frage mitgeben?

    So wenige, wie für eine belegte Antwort nötig sind. In der Praxis ruft man mehr Kandidaten ab, als man übergibt, ordnet sie mit einem Reranker neu und gibt nur die besten weiter. Die richtige Zahl ist eine Messgröße: Man vergleicht im Testsatz, ab welcher Menge zusätzliche Abschnitte keine richtigen Antworten mehr hinzufügen, sondern nur noch Ablenkung.

    Kann RAG mit Tabellen und Tabellenkalkulationen umgehen?

    Mit Einschränkungen. Tabellen in Fließtext-Dokumenten funktionieren, wenn sie beim Einlesen als Ganzes erhalten und mit Kopfzeile zerlegt werden. Für Auswertungen über viele Zeilen, etwa Summen oder Vergleiche über Zeiträume, ist ein Textabruf ungeeignet: Dafür gehört die Tabelle in eine Datenbank, die das System gezielt abfragt, statt Zeilen als Textabschnitte zu suchen.

    Funktioniert RAG mit deutschsprachigen Dokumenten genauso gut wie mit englischen?

    Grundsätzlich ja, aber nicht automatisch. Einbettungsmodelle unterscheiden sich stark in ihrer Qualität für Deutsch, und zusammengesetzte Wörter wie Wartungsintervallanpassung stellen Stichwortsuche und Zerlegung vor eigene Aufgaben. Deshalb sollten Einbettungsmodell und Stichwortanalyse an deutschen Testfragen aus dem eigenen Bestand verglichen werden. Die sprachlichen Besonderheiten erklärt der Leitfaden zur semantischen Suche.

    Lässt sich RAG ohne Cloud-Dienste betreiben?

    Ja. Einlesen, Einbettungsmodell, Index, Reranker und Sprachmodell lassen sich vollständig im eigenen Rechenzentrum betreiben, sofern ein Modell mit offenen Gewichten eingesetzt wird. Der Aufwand verschiebt sich dann von Nutzungsgebühren zu Hardware, Aktualisierung und Betrieb. Welche Größenordnungen an Speicher und welche Betriebsaufgaben dabei entstehen, beschreibt der Leitfaden zu lokalen Sprachmodellen.

    Wie hält man den Index eines RAG-Systems aktuell?

    Über eine Anbindung, die Änderungen im Quellsystem erkennt: neue Dokumente einlesen, geänderte Abschnitte ersetzen, gelöschte entfernen und geänderte Rechte nachziehen. Dazu kommt fachliche Pflege, die keine Technik ersetzt: Jemand muss entscheiden, welche Fassung gilt und was aussortiert wird. Ohne diese Zuständigkeit zitiert das System veraltete Dokumente mit derselben Sicherheit wie gültige.

    Weiterlesen

    Verwandte Themen

    Quellen

    1. 01 Retrieval-Augmented Generation for Knowledge-Intensive NLP Tasks Lewis et al., arXiv, NeurIPS 2020, 2020 · arxiv.org
    2. 02 Dense Passage Retrieval for Open-Domain Question Answering Karpukhin et al., arXiv, EMNLP 2020, 2020 · arxiv.org
    3. 03 Passage Re-ranking with BERT Nogueira und Cho, arXiv, 2019 · arxiv.org
    4. 04 Lost in the Middle: How Language Models Use Long Contexts Liu et al., arXiv, TACL, 2023 · arxiv.org
    5. 05 Retrieval-Augmented Generation for Large Language Models: A Survey Gao et al., arXiv, 2023 · arxiv.org
    6. 06 From Local to Global: A Graph RAG Approach to Query-Focused Summarization Edge et al., Microsoft Research, arXiv, 2024 · arxiv.org
    7. 07 ColPali: Efficient Document Retrieval with Vision Language Models Faysse et al., arXiv, ICLR 2025, 2024 · arxiv.org
    8. 08 Late Chunking: Contextual Chunk Embeddings Using Long-Context Embedding Models Günther et al., arXiv, 2024 · arxiv.org
    9. 09 Introducing Contextual Retrieval Anthropic, 2024 · anthropic.com
    10. 10 Ragas: Automated Evaluation of Retrieval Augmented Generation Es et al., arXiv, 2023 · arxiv.org
    11. 11 Reciprocal Rank Fusion outperforms Condorcet and individual Rank Learning Methods Cormack, Clarke und Büttcher, ACM SIGIR, 2009 · dl.acm.org
    12. 12 Efficient and robust approximate nearest neighbor search using Hierarchical Navigable Small World graphs Malkov und Yashunin, arXiv, 2016 · arxiv.org

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    Ob Prototyp, internes Werkzeug oder KI-Anwendung: Beschreiben Sie kurz, was Sie bauen oder in den Betrieb bringen wollen.

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    “Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.”