ENTSCHEIDUNG · RAG ODER FINE-TUNING

RAG oder Fine-Tuning: was wann trägt

Beide Wege binden ein Sprachmodell an Ihr Unternehmen. Sie unterscheiden sich nicht in der Antwortqualität, sondern darin, wie schnell neues Wissen ankommt, ob eine Antwort belegbar ist und was der Betrieb über die Jahre kostet. Die Entscheidung fällt am Anwendungsfall, nicht am Modell.

Der Unterschied in einem Satz

Fine-Tuning verändert das Modell. Retrieval-Augmented Generation lässt das Modell unverändert und legt ihm zur Laufzeit die passenden Stellen aus Ihren Dokumenten vor.

Daraus folgt fast alles Weitere. Ein feinjustiertes Modell trägt sein Wissen in den Gewichten und kann nicht sagen, woher eine Aussage stammt. Ein Retrieval-System trägt sein Wissen in einem Index und liefert zu jeder Aussage die Fundstelle mit.

Wann RAG die richtige Wahl ist

Wenn sich Ihr Wissen ändert. Neue Handbücher, Verträge, Preislisten oder Tickets sind mit dem Einlesen verfügbar, ohne dass irgendetwas nachtrainiert wird.

Wenn eine Antwort belegt sein muss. Alles, was in Angebote, Auskünfte oder Gutachten einfließt, braucht eine Fundstelle, und die kann nur ein Retrieval-System liefern.

Wenn Rechte gelten sollen. Ein Index kennt Ordner und Rollen, also lässt sich abbilden, dass Vertrieb und Personalabteilung auf dieselbe Frage unterschiedliche Antworten bekommen. In den Gewichten eines Modells ist diese Trennung nicht mehr rekonstruierbar.

Wann Fine-Tuning etwas beiträgt

Bei Form statt Inhalt. Ein bestimmtes Ausgabeformat, ein Hausstil, ein festes Antwortschema oder eine enge Klassifikationsaufgabe mit vielen Beispielen sind genau das, was Fine-Tuning gut kann.

Bei Fachsprache, die im Vortraining kaum vorkommt. Ein Modell, das Ihre Bauteilbezeichnungen und Abkürzungen nie gesehen hat, lernt sie über Beispiele zuverlässiger als über Kontext.

Bei sehr hohem Volumen. Wo derselbe eng umrissene Schritt millionenfach läuft, spart ein kleineres feinjustiertes Modell Inferenzkosten gegenüber einem großen Modell mit langem Prompt.

Die Kosten stehen an verschiedenen Stellen

Bei RAG liegt der Aufwand vorne im Datenweg: Quellen erschließen, sinnvoll zerlegen, indexieren, Retrieval messen. Danach ist der Betrieb überschaubar, und jede Wissensänderung ist ein Einlesevorgang.

Bei Fine-Tuning liegt der Aufwand im Datensatz und wiederholt sich. Beispiele kuratieren, trainieren, gegen einen Testsatz prüfen, und das erneut bei jeder relevanten Änderung. Der erste Lauf ist selten das Problem, der fünfte ist es.

In der Praxis ist es meistens beides, in dieser Reihenfolge

Der übliche Weg beginnt mit Retrieval, weil sich damit schneller zeigt, ob die Datenlage überhaupt trägt. Erst wenn die Antworten inhaltlich stimmen und nur noch Form, Ton oder ein enger Sonderfall stören, lohnt Fine-Tuning obendrauf.

Umgekehrt geht es fast nie gut aus. Ein feinjustiertes Modell auf einer schlechten Wissensbasis liefert dieselben Lücken, nur flüssiger formuliert.

Wie wir die Entscheidung treffen

Wir bauen zuerst einen Testsatz aus echten Fragen Ihres Hauses mit geprüft richtigen Antworten. Ohne ihn ist jeder Vergleich zwischen den beiden Wegen Geschmackssache.

Dann messen wir ein einfaches Retrieval-System dagegen. In den meisten Fällen im Mittelstand steht danach fest, dass die verbleibende Lücke keine Trainingsfrage ist, sondern eine Frage von Chunking, Suche und Berechtigungen.

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Häufige Fragen

Über die Projektlaufzeit fast immer RAG, weil der Aufwand einmalig im Datenweg liegt statt bei jeder Wissensänderung erneut im Training. Fine-Tuning kann bei sehr hohem, gleichförmigem Anfragevolumen die Inferenzkosten senken und sich dadurch rechnen.

Nein. Es verschiebt, worüber ein Modell falsch liegt, gibt ihm aber keine Möglichkeit, eine Aussage zu belegen. Nachvollziehbarkeit entsteht durch Quellenanbindung, nicht durch Training.

Weniger als oft angenommen, aber sie müssen sauber und einheitlich sein. Einige hundert konsistente Beispiele tragen weiter als Zehntausende widersprüchliche, weil das Modell den Widerspruch mitlernt.

Ja. Retrieval mit Vektordatenbank und lokalem Modell läuft vollständig in Ihrer Infrastruktur. Fine-Tuning offener Modelle ebenfalls, es braucht dafür allerdings zeitweise deutlich mehr GPU-Speicher als der spätere Betrieb.

Daran, dass die richtigen Belegstellen gefunden werden und die Antwort trotzdem im Format, im Ton oder in einer engen Fachlogik danebenliegt. Solange die Fundstellen falsch sind, ist es ein Retrieval-Problem und kein Modellproblem.

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Arthur C. Clarke

“Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.”