KI-SICHERHEIT · OWASP TOP 10 FÜR LLM-ANWENDUNGEN

Was macht ein Sprachmodell angreifbar, und was hilft dagegen?

Ein Sprachmodell unterscheidet nicht zuverlässig zwischen einer Anweisung des Nutzers und einem Satz, den es gerade in einem fremden Dokument liest. Aus dieser einen Eigenschaft leitet die OWASP Top 10 für LLM-Anwendungen 2025 zehn Risikokategorien ab, angeführt von Prompt Injection. Im Mittelstand treffen sie vor allem zwei Fälle: einen internen Assistenten mit Dokumentzugriff und einen Agenten mit eigenen Werkzeugrechten.

Drei identische verschlossene weiße Postfächer stehen in einer Reihe auf dunklem Schiefer, im mittleren Fach steckt ein zusätzlicher gefalteter Zettel, der zwischen der Post hervorschaut, eine orange Lichtlinie umrandet nur diesen ZettelKI-GENERIERT
AKTUALISIERT
13. September 2026
LESEZEIT
9 Min.
THEMA
KI-Sicherheit

Kurz beantwortet

Was ist Prompt Injection bei einer KI-Anwendung?

Prompt Injection ist ein Angriff, bei dem Text einem Sprachmodell Anweisungen unterschiebt, die seine eigentliche Aufgabe überlagern. Direkte Injection tippt eine Person selbst ein. Indirekte Injection steckt in Inhalten, die das Modell verarbeitet: einer E-Mail, einem hochgeladenen Dokument, einer Webseite. OWASP führt Prompt Injection seit zwei Auflagen in Folge als Rang eins der LLM-Risiken.

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Für ein Unternehmen ist die indirekte Form die relevantere, weil ein Assistent, der eingehende Post oder Dokumente zusammenfasst, zwangsläufig Text von Fremden liest.

Einen vollständigen Schutz auf Modellebene gibt es derzeit nicht. Sinnvoll ist die Annahme, dass eine Injection gelegentlich gelingt, und die Begrenzung dessen, was sie dann auslösen darf.

Wie lautet die OWASP Top 10 für LLM-Anwendungen 2025 im Überblick?

Die OWASP Top 10 für LLM-Anwendungen 2025 reicht von Prompt Injection über sensible Informationsoffenlegung, Lieferkettenrisiken, Daten- und Modellvergiftung, unsachgemäße Ausgabeverarbeitung, übermäßige Handlungsfreiheit und Systemprompt-Leckage bis zu Schwächen bei Vektoren und Embeddings, Fehlinformation und unbegrenztem Ressourcenverbrauch. Für einen internen Assistenten mit Dokumentzugriff sind die ersten sechs Kategorien am unmittelbarsten relevant.

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Gegenüber der vorherigen Auflage rückte die sensible Informationsoffenlegung von Rang sechs auf Rang zwei vor, weil Assistenten zunehmend mehrere Datenquellen gleichzeitig durchsuchen.

Die Liste beschreibt Risikokategorien, keine fertigen Prüfsummen. Welche davon in einem konkreten System zutreffen, hängt an dessen Datenzugriff und Werkzeugrechten.

Was ändert sich, wenn ein Assistent Werkzeuge bedienen darf?

Sobald ein Assistent Werkzeuge aufrufen darf, wird aus Prompt Injection ein Handlungsproblem statt nur eines Textproblems: OWASP nennt das übermäßige Handlungsfreiheit, wenn ein System mehr Funktionen, Rechte oder Autonomie erhält, als seine Aufgabe erfordert. Ein manipuliertes Modell mit Schreibrechten kann eine Aktion auslösen, ein rein lesendes Modell kann höchstens eine falsche Antwort liefern.

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Heikel ist vor allem die Kombination aus drei Eigenschaften: Zugriff auf private Daten, Kontakt mit fremden Inhalten und die Möglichkeit, nach außen zu wirken, etwa per Versand oder Zahlung.

Fehlt eine dieser drei Eigenschaften, wird der Weg vom manipulierten Text zur schädlichen Aktion deutlich weiter.

Wie begrenzt man den Schaden, wenn ein Assistent manipuliert wird?

Den Schaden begrenzt das Prinzip der geringsten Rechte: Jedes Werkzeug erhält nur die Rechte seiner Aufgabe, lesende Werkzeuge bekommen keine Schreibrechte, und Aktionen mit Außenwirkung wie Versand oder Löschung verlangen eine Bestätigung durch einen Menschen. Zugangsdaten liegen beim Werkzeug, nie im Kontext des Modells, wo eine Injection sie auslesen könnte.

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Erweiterungen wie Plugins oder Connectors verdienen dieselbe Prüfung wie jede andere Software mit Zugriff auf eigene Systeme, weil ihre Werkzeugbeschreibungen selbst im Kontext des Modells landen.

Diese Maßnahmen ersetzen keine Filter, sie verkleinern nur, was im schlechtesten Fall passieren kann, wenn ein Filter versagt.

Wie testet man eine KI-Anwendung auf diese Schwächen?

Getestet wird mit einem festen Satz von Angriffsfällen, der bei jeder Änderung an Anweisungen, Modell oder Werkzeugen erneut läuft: direkte und indirekte Injections, Versuche, Systemanweisungen oder fremde Dokumente auszulesen, und Eingaben, die unerwünschte Werkzeugaufrufe auslösen sollen. Vor einem größeren Ausbau ergänzt gezieltes Red-Teaming diesen Testsatz.

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Ein solcher Testsatz wächst mit dem System. Jeder auffällige Fund aus dem Betrieb wird ein neuer Testfall, damit dieselbe Lücke nach einem Modellwechsel nicht unbemerkt zurückkehrt.

Red-Teaming heißt, dass jemand mit dem Blick eines Angreifers versucht, ein System zu missbrauchen, bevor es Nutzer erreicht. Die Funde sind selten spektakulär: ein Werkzeug mit zu breiten Rechten, ein Protokoll mit Klartextdaten.

01

Was steckt hinter den einzelnen Kategorien der OWASP Top 10?

Die OWASP Top 10 für LLM-Anwendungen 2025 ordnet zehn Risikokategorien, von Prompt Injection über Informationsoffenlegung, Lieferkette und Datenvergiftung bis zu unsachgemäßer Ausgabeverarbeitung, übermäßiger Handlungsfreiheit, Systemprompt-Leckage, Schwächen bei Vektoren und Embeddings, Fehlinformation und unbegrenztem Ressourcenverbrauch. Für einen dokumentenlesenden Assistenten sind vor allem die ersten sechs unmittelbar spürbar.

Die OWASP Gen AI Security Project aktualisiert diese Liste mit Blick auf reale Vorfälle und die wachsende Verbreitung agentischer Systeme. Gegenüber der vorherigen Fassung wurden zwei Kategorien neu aufgenommen und mehrere umsortiert.

CodeRisikoKurz erklärt
LLM01Prompt InjectionText schiebt dem Modell Anweisungen unter, die seine eigentliche Aufgabe überlagern.
LLM02Sensible InformationsoffenlegungDas System gibt personenbezogene, vertrauliche oder Zugangsdaten preis, oft über mehrere verkettete Abfragen.
LLM03LieferkettenrisikenFremde Modelle, Datensätze, Pakete oder Plugins bringen verwundbare oder manipulierte Bestandteile mit.
LLM04Daten- und ModellvergiftungManipulierte Trainings- oder Kontextdaten verändern das Verhalten eines Modells gezielt.
LLM05Unsachgemäße AusgabeverarbeitungEine ungeprüft weiterverarbeitete Modellausgabe löst eine Schwachstelle im nachgelagerten System aus.
LLM06Übermäßige HandlungsfreiheitEin System erhält mehr Funktionen, Rechte oder Autonomie, als seine Aufgabe erfordert.
LLM07Systemprompt-LeckageVertrauliche Systemanweisungen oder darin enthaltene Geheimnisse werden über die Antwort sichtbar.
LLM08Schwächen bei Vektoren und EmbeddingsFehler beim Erzeugen, Speichern oder Abrufen von Embeddings öffnen Wege zu falschen oder fremden Inhalten.
LLM09FehlinformationDas Modell erzeugt plausibel klingende, aber falsche Aussagen, die ungeprüft weiterverwendet werden.
LLM10Unbegrenzter RessourcenverbrauchFehlende Begrenzungen bei Anfragen oder Kontextlänge erlauben überhöhten Verbrauch oder Kosten.
OWASP Top 10 für LLM-Anwendungen 2025

02

Wie gelangt eine untergeschobene Anweisung bis zur Aktion?

Abdelnabi, Greshake und Kolleginnen zeigten 2023 in der ersten systematischen Untersuchung indirekter Prompt Injection, dass ein Agent, der Webseiten oder Dokumente liest, Anweisungen aus genau diesen Inhalten übernehmen kann, ohne dass eine Person sie eingegeben hat. Der Weg von einer solchen Anweisung bis zu einer tatsächlichen Aktion läuft über mehrere Stationen.

Weg einer indirekten Injection
  1. 01Fremder InhaltE-Mail, PDF, Webseite
  2. 02Wird vom Assistenten gelesenals Teil der Aufgabe
  3. 03Landet im Kontext des Modellsununterscheidbar von echten Anweisungen
  4. 04Modell folgt der Anweisungwenn kein Filter greift
  5. 05Werkzeugaufrufsofern das Modell dazu berechtigt ist
  6. 06Aktion mit AußenwirkungVersand, Änderung, Abfluss

Jede dieser Stationen ist ein möglicher Eingriffspunkt: ein Filter auf die eingelesenen Inhalte, eine Prüfung der Modellausgabe vor der Ausführung, oder eine Bestätigung durch einen Menschen vor der letzten Stufe.

03

Was unterscheidet einen reinen Chat-Assistenten von einem Agenten mit Werkzeugrechten?

Ein reiner Chat-Assistent liest und antwortet. Ein Agent liest, entscheidet und handelt, indem er Werkzeuge aufruft: eine Suche, einen Versand, eine Buchung. Diese zusätzliche Fähigkeit ist genau das, was OWASP unter LLM06 als übermäßige Handlungsfreiheit beschreibt, wenn die Rechte des Werkzeugs die Aufgabe übersteigen.

Angriffsfläche nach Systemtyp

KriteriumChat-Assistent ohne WerkzeugeAgent mit Werkzeugrechten
Wirkung einer erfolgreichen InjectionEine falsche oder irreführende AntwortEine tatsächliche Aktion, etwa Versand oder Änderung
ZugangsdatenMeist nicht relevantMüssen beim Werkzeug liegen, nie im Modellkontext
Nötige GegenmaßnahmeGeprüfte, als Text gekennzeichnete AusgabeGeringste Rechte je Werkzeug, Bestätigung vor Aktionen mit Außenwirkung
Relevante OWASP-KategorieLLM01, LLM09LLM01, LLM06, LLM05

Ein Beispiel: Ein Agent, der Rechnungen aus eingehenden E-Mails erfasst und ins Buchhaltungssystem einträgt, kombiniert Dokumentzugriff, Fremdinhalte und eine Aktion mit Außenwirkung, genau die Kombination, die eine Injection am wirksamsten macht.

  • Zugriff auf private Daten

    Der Assistent sieht Dokumente, Postfächer oder Datensätze, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

  • Kontakt mit fremden Inhalten

    Der Assistent liest Text, den jemand außerhalb der eigenen Organisation verfasst hat, etwa eine eingehende E-Mail oder ein hochgeladenes Dokument.

  • Möglichkeit zur Außenwirkung

    Der Assistent kann selbst etwas auslösen: eine Nachricht versenden, einen Datensatz ändern oder eine Zahlung anstoßen.

04

Welche Architekturpunkte begrenzen den Schaden im Ernstfall?

Den Schaden begrenzen enge Werkzeugrechte, getrennte Lese- und Schreibrechte, eine Bestätigung durch einen Menschen vor Aktionen mit Außenwirkung, Zugangsdaten außerhalb des Modellkontexts, eine Prüfung jeder Ausgabe vor der Weiterverarbeitung und ein Protokoll mit eigenen Zugriffsrechten. Keine dieser Maßnahmen wirkt allein, gemeinsam verkleinern sie, was ein manipuliertes System anrichten kann.

Checkliste

Architekturpunkte gegen Prompt Injection und ihre Folgen

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05

Was hält das BSI zu generativer KI in Unternehmen fest?

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik veröffentlichte 2025 die Publikation "Generative KI-Modelle: Chancen und Risiken für Industrie und Behörden". Sie richtet sich an Unternehmen und Behörden, die generative Modelle, von Sprachmodellen bis zu Bild- und Videogeneratoren, in ihre Arbeitsabläufe integrieren wollen, und beschreibt dafür ein grundlegendes Sicherheitsbewusstsein sowie eine systematische Risikoanalyse vor dem Einsatz.

06

Welche Annahmen zur KI-Sicherheit halten einer Prüfung nicht stand?

Vier Annahmen zur KI-Sicherheit, geprüft

Belege aus unserer Arbeit

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Häufige Fragen

Reicht ein guter Systemprompt als Schutz gegen Prompt Injection?

Nein. Ein Systemprompt senkt die Erfolgsquote einfacher Angriffe, lässt sich aber mit geschickter Formulierung umgehen. Er ist eine Schicht unter mehreren. Die belastbaren Grenzen liegen in Rechten, Freigaben und der Prüfung von Ausgaben, nicht in der Formulierung der Anweisung.

Sind lokal betriebene Modelle sicherer als Cloud-Modelle?

Gegen Datenabfluss an einen Anbieter ja, weil Eingaben und Dokumente das eigene Netz nicht verlassen. Gegen Prompt Injection nicht, dafür ist der Betriebsort unerheblich. Ein lokales Modell mit weitreichenden Werkzeugrechten ist genauso manipulierbar wie ein gehostetes.

Dürfen Beschäftigte öffentliche KI-Chats mit Firmendaten nutzen?

Das regelt am besten eine interne Richtlinie, die festlegt, welche Dienste mit welchen Daten erlaubt sind. Ohne Regelung landen Vertragsentwürfe und Kundendaten leicht in privaten Konten. Ein freigegebener interner Assistent wirkt dabei meist besser als ein reines Verbot.

Wann sollte ein KI-System erneut auf Sicherheit getestet werden?

Bei jeder Änderung, die das Verhalten beeinflusst: neues Modell, geänderte Systemanweisungen, neues Werkzeug, neue Datenquelle. Ein automatisierter Testsatz macht das ohne großen Aufwand möglich. Ein ausführlicheres Red-Teaming lohnt sich vor dem Start und vor größeren Erweiterungen.

Warum steht sensible Informationsoffenlegung 2025 auf Rang zwei statt Rang sechs?

Weil Assistenten zunehmend mehrere Datenquellen gleichzeitig durchsuchen und dabei Inhalte kombinieren können, auf die eine einzelne Anfrage keinen Zugriff hätte. OWASP begründet den Anstieg mit dieser wachsenden Verkettung von Abfragen in realen Systemen.

Was bedeutet Systemprompt-Leckage konkret?

Systemprompt-Leckage bedeutet, dass die verdeckten Anweisungen oder darin enthaltenen Geheimnisse eines Systems über eine Antwort sichtbar werden, etwa wenn ein Modell dazu gebracht wird, seine eigenen Anweisungen wiederzugeben. Vertrauliche Angaben gehören deshalb nicht in den Systemprompt, sondern in eine separate, geschützte Konfiguration.

Reicht es, nur den Chatverlauf zu protokollieren?

Für eine Fehlersuche ja, für eine Sicherheitsprüfung nicht ausreichend. Sinnvoll sind zusätzlich Protokolle der aufgerufenen Werkzeuge und ihrer Parameter, weil genau dort eine schädliche Aktion sichtbar wird, nicht nur im sichtbaren Chatverlauf.

Quellen

  1. 01 OWASP Top 10 for LLM Applications 2025 OWASP Gen AI Security Project, 2025 · genai.owasp.org
  2. 02 LLM Risks Archive OWASP Gen AI Security Project, 2025 · genai.owasp.org
  3. 03 Not What You've Signed Up For: Compromising Real-World LLM-Integrated Applications with Indirect Prompt Injection ACM Workshop on Artificial Intelligence and Security (arXiv:2302.12173), 2023 · arxiv.org
  4. 04 InjecAgent: Benchmarking Indirect Prompt Injections in Tool-Integrated Large Language Model Agents arXiv, 2024 · arxiv.org
  5. 05 Generative KI-Modelle: Chancen und Risiken für Industrie und Behörden Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, 2025 · bsi.bund.de
  6. 06 Aktualisierte Fassung veröffentlicht: Chancen und Risiken großer KI-Sprachmodelle Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, 2024 · bsi.bund.de
  7. 07 Verordnung (EU) 2024/1689, Artikel 4 (KI-Kompetenz) Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, 2024 · eur-lex.europa.eu
  8. 08 Verordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung), Artikel 32 Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, 2016 · eur-lex.europa.eu
  9. 09 Orientierungshilfe: Künstliche Intelligenz und Datenschutz Datenschutzkonferenz, 2024 · datenschutzkonferenz-online.de
  10. 10 Simple Prompt Injection Attacks Can Leak Personal Data Observed by LLM Agents During Task Execution arXiv, 2025 · arxiv.org

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